Verdienstausfall nach Autounfall

Ein Verkehrsunfall ist häufig ein einschneidendes Erlebnis. Schlimm genug, wenn es zum Blechschaden kommt, werden aber Personen beim Crash verletzt, wiegt dieses Ereignis noch schwerer. Kann ein Verdienstausfall nach einem Unfall ebenfalls als Schaden gemäß BGB geltend gemacht werden? Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise bei abhängig Beschäftigten und Selbstständigen? Auf all diese Fragen gehen wir im folgenden Ratgeber ein.

Bei fremdverschuldeten Unfällen kann der Geschädigte grundsätzlich seine Einkommensverluste entsprechend der Haftungsquote als Schadensposition geltend machen. Der Verdienstausfall ist Teil des Schadensersatzanspruches. Dieser umfaßt nicht allein das entgangene Einkommen, sondern jeden vermögenswerten Vorteil im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Verwertung der Arbeitskraft des Geschädigten.

Verdienstausfall bei Angestellten

Sie haben einen Anspruch auf den Ihnen entstandenen Verdienstausfall. In den ersten 6 Wochen jedoch nicht, da der Arbeitgeber zur Fortzahlung der Vergütung verpflichtet ist und die Schadensersatzansprüche in diesem Umfang auf ihn übergehen.

Grundsätzlich kann bei einem Verkehrsunfall ein Anspruch auf eine Entschädigung vom Verdienstausfall entstehen. Da allerdings Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet sind, sechs Wochen lang den Lohn fortzuzahlen, beginnt dieser Anspruch auch erst nach diesem Zeitraum.

Die Berechnung ist vergleichsweise leicht. Grundlage bilden die Einkommensnachweise, welche bei ungefähr gleichbleibendem Gehalt einen verlässlichen Wert über das hypothetische Einkommen ermöglichen. Als Nachweiszeitraum gilt häufig das Jahr vor dem Unfall. Dadurch können Sonderzahlungen wie Boni, Urlaubs- und Weihnachtsgeld berücksichtigt werden.

Soweit der Lohn oder das Gehalt des Geschädigten durch den Arbeitgeber oder die Krankenkasse weitergezahlt werden, gehen die Ansprüche des Geschädigten auf den diese über. Der Geschädigte braucht insoweit keine Ansprüche gegen den Schädiger geltend zu machen. Der Ausfall von Einkünften, die nicht dem Entgeltfortzahlungsgesetz unterliegen, kann hingegen als Schaden geltend gemacht werden. Hierzu gehörten z.B. bei Beschäftigten im Gastronomiegewerbe der Ausfall von Trinkgeldern.

Unregelmäßige Zahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) sind anteilig zu berücksichtigen.

Verdienstausfall bei Selbstständigen

Die Berechnung des Verdienstausfallschadens ist bei Selbständigen wesentlich komplizierter und aufwendiger. Eine Lohnfortzahlung findet nicht statt. Der durch den Unfall eingetretene Wegfall der Arbeitskraft, begründet als solches noch keinen Anspruch auf Schadensersatz. Erst wenn man durch den Wegfall der Arbeitskraft einen Schaden erleidet, hat man einen Anspruch auf Verdienstausfall. Insbesondere die Minderung des durch die berufliche Tätigkeit ansonsten erzielten Gewinns oder die Kosten einer tatsächlich eingestellten Ersatzkraft kommen hier in Betracht. Die Schadensbezifferung setzt entweder den Nachweis konkret entgangener Geschäfte oder einer Gewinnminderung voraus. Dieser Nachweis hängt von vielen Unbekannten ab und läßt sich häufig nur unter Mithilfe von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern oder entsprechenden Sachverständigen vornehmen.

Die Höhe vom Verdienstausfall nach einem Unfall bei Selbstständigen zu berechnen, ist weitaus schwieriger als bei Angestellten. Hierbei gilt aber, dass die reine Arbeitsunfähigkeit noch kein Recht auf Entschädigung gemäß BGB begründet.

Ein Anspruch entsteht erst, wenn tatsächlich ein Vermögensschaden eingetreten ist.

Die Minderung des Gewinns bzw. die Kosten für eine eingestellte Ersatzkraft müssen wie jeder andere Schaden durch die gegnerische Versicherung übernommen werden. Wichtig ist es aber, entsprechende Nachweise vorlegen zu können, um die tatsächliche Höhe vom Schaden beziffern zu können.

Oftmals sind zur Berechnung des Schadensersatzes bei Verdienstausfall nach einem Unfall die Dienste von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern oder anderen Sachverständigen in Anspruch zu nehmen.

Bei Selbständigen kann der Verdienstausfall nicht aufgrund der Kosten einer fiktiven Ersatzkraft berechnet werden. Wird tatsächlich eine Ersatzkraft eingestellt, so kann Ersatz der hierfür angefallenen Kosten verlangt werden.

Andernfalls ist der konkret ausgefallene Gewinn darzulegen und nachzuweisen. Die Beweisführung kann hier wegen der unterschiedlichen Einflüsse auf die Gewinnentwicklung einigen Aufwand verursachen.

https://www.anwalt.de/rechtstipps/berechnung-des-unfallbedingten-verdienstausfallsschmerzensgeld-eines-selbstaendigen-zahnarztes_014266.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Unfallverursacher-muss-fuer-Verdienstausfall-und-Urlaubsgeld-aufkommen-1964697.html